Von Kirschpflaumen, Traubenkirschen und Ackerbergen

Auf Einladung der Amphibienschutzgruppe Grötzingen bot Thomas Breunig vom Karlsruher Institut für Botanik und Landschaftskunde am 11. März 2019 eine Naturführung „Entstehungsgeschichte und Botanik der Gießbachniederung“ an.

Herr Breunig (Bildmitte) erkärte eingangs, dass die Gießbachniederung ein Teil der Kinzig-Murg-Rinne ist, die sich dadurch gebildet hat, dass die beim Einbruch des Rheingrabens abgesunkenen Gesteinsschollen hier am Bergrand ein wenig mehr abgesunken sind als weiter westlich in der Hardt. Hier floss seit dem Ende der Eiszeit bis noch in historischer Zeit Oberflächenwasser. Es ist aber ungeklärt, ob Wasser von Kinzig und Murg dabei war.
Wo die Pfinz in die Rheinebene tritt, hat sie einen Schwemmkegel ausgebildet. Seit es im Pfinzgau Ackerbau gibt, wird die Ackererde bei Starkregen abgeschwemmt und lagert sich ab, wenn sich das Hochwasser neben dem Flusslauf in die Fläche ergießt. Das ergibt fruchtbaren Ackerboden.
Als frühest blühendes Gehölz, noch vor der Schlehe, stellte Herr Breunig die Kirschpflaume vor, die bei uns wild wächst und als Unterlage veredelter Steinobstsorten dient. Wenn bei einem alten Baum die Veredelung schwächelt, treibt, wie gesehen, unten die Kirschpflaume aus.
Auch kleine Pflanzen wurden beachtet, hier eine zartlila blühende Taubnessel mit dem für Lippenblütler typischen vierkantigen Stiel.
Auf den Bäumen im Hintergrund sind Misteln zu erkennen, Halbschmarotzer, die den Wirtsbäumen Saft entziehen, aber als grüne Pflanzen selbst Photosynthese betreiben. Es handelt sich um die bei uns häufige Laubbaummistel. Wie Herr Breunig mitteilte, gibt es als Besonderheit in der Karlsruher Gegend auch die beiden anderen, seltenen Mistelarten, Kiefernmistel und Tannenmistel.
Ein Stück vom Weg entfernt im Bruchwald steht hier ein stattlicher Baum mit Brettwurzeln, eine Flatterulme. Zusammen mit Schwarzerlen und Eschen gedeihen Flatterulmen auf dem nassen Boden. Anders als Feldulmen sind sie nicht vom Ulmensplintkäfer bedroht.
Am Baggersee zeigte Herr Breunig eine Gewöhnliche Traubenkirsche, an der noch Gespinste der Traubenkirschen-Gespinstmotte vom vergangenen Jahr hingen. Es ist eine nässeliebende einheimische Baumart, im Gegensatz zu der Amerikanischen Traubenkirsche, die zur Auflockerung von Kiefernwäldern angepflanzt wurde und sich zum Missfallen der Förster ungehemmt ausbreitet.
Auf dem Rückweg hob die letzte Abendsonne die scharfe Bergkante deutlich hervor. Wo wir stehen, ist die Scholle mit dem am Berg anstehenden Muschelkalk mehrere Kilometer tief abgesunken und mit Ablagerungen überdeckt.
Bleibt noch der Begriff Ackerberge zu klären. Wenn beim Pflügen eine Furche fertig ist und der Pflug gewendet wird, fällt jedesmal etwas Erde herunter. Wenn das jahrhundertelang immer am Wegesrand passiert, erhöht sich der Weg gegenüber der Ackerfläche. Man spricht dann laut Herrn Breunig von Ackerbergen.
Am Ende der Naturführung war es schon fast dunkel. Thomas Hauenstein dankte unter Beifall Herrn Breunig und überreichte ihm Grötzinger Präsente.