Corona

Im folgenden Diagramm stellt die blaue Linie die täglich vom Robert-Koch-Institut veröffentlichen Corona-Neuerkrankungen dar. Zur Glättung des Wochenrhythmus ist bei der roten Linie der Sieben-Tage-Durchschnitt gebildet, der mit drei Tagen Verzögerung erscheint. Die schwarze Linie gibt die vom RKI als an oder mit Corona verstorben Gemeldeten im Sieben-Tage-Durchschnitt wieder. Auf der Zeitachse sind die Sonntage angegeben.

Das nächste Diagramm zeigt die 7-Tage-Inzidenzen von Deutschland (blau), Baden-Württemberg (rot), Karlsruhe Stadt (gelb) und Karlsruhe Land (grün). Die Werte sind mit den täglich gemeldeten Neuinfektionen berechnet und liegen etwas höher als die amtlichen Werte, da letztere mit Infektionszahlen berechnet werden, die in den Folgetagen wegen der immer wieder vorkommenden Mehrfachzählung von Fällen nach unten korrigiert werden.

Quellen: Robert-Koch-Institut und Sozialministerium Baden-Württemberg

Interpretation von Karl Berger

Gemäß der roten Linie im ersten Diagramm erleben wir seit dem 24. April 2021 den für grippeartige Viren typischen Frühjahrsabschwung. Letztes Jahr begann er schon am 3. April, drei Wochen früher. Der kalte April in diesem Jahr mag den Unterschied bewirkt haben.

Der Frühjahrsabschwung 2020 war nach dem beängstigenden Anstieg im März durch die am 15. März beschlossenen Maßnahmen, Kontaktsperre und Versammlungsverbot, möglich. Wäre das Wachstum von Mitte März exponentiell weitergegangen (in diesem Diagramm mit logarithmischer Hochachse in geradliniger Verlängerung), wären am Monatsende die 40.000 Neuinfektionen pro Tag erreicht worden, die laut Professor Harald Lesch die Intensivstationen in ganz Deutschland an den Rand ihrer Kapazität gebracht hätten.

Der Abschwung der ersten Welle endete Mitte Juni 2020 mit dem Coronaausbruch bei Tönnies. Nach dessen Abklingen begann Mitte Juli die zweite Welle.

Werfen wir nun einen Blick auf die schwarze Kurve der gemeldeten Todesfälle. Sie sieht in der ersten Welle aus wie die rote Kurve, nur nach rechts unten versetzt. An den Maxima lässt sich ablesen, das die Sterbefälle den gemeldeten Infektionsfällen zwei Wochen später im Verhältnis 233:5595 nachfolgten. Unter den damaligen Bedingungen starben 4,16 % der als infiziert Gemeldeten.

Weder die Tönnieswelle noch der wohl hauptsächlich von Reiserückkehrern verursachte Anstieg der Infektionen vom 12. Juli bis 23. August 2020 bilden sich bei den Todesfällen ab. Diese blieben abgesehen von den sich bei kleinen Zahlen stärker bemerkbar machenden zufälligen Schwankungen gleich. Das mag daran liegen, dass unter den Betroffenen wenig Alte und Risikopersonen waren.

Im Oktober nahm die zweite Welle Fahrt auf. Der Herbstaufschwung wurde Ende Oktober durch den „Lockdown light“ bekämpft, der zwar keinen Abschwung brachte, aber wenigstens das weitere Anwachsen im November verhinderte. Als die Zahlen im Dezember erneut anstiegen, wurde ein schärferer Lockdown verhängt.

Die Maxima der zweiten Welle sind durch die Weihnachts- und Neujahrsdellen etwas verfälscht. Bildet man trotzdem deren Verhältnis, kommt man auf eine Sterberate von 3,47 % der als infiziert Gemeldeten. Warum ist das ein erstaunlich hoher Wert?

Hier kommt der Einfluss der Testhäufigkeit ins Spiel. Im Frühjahr waren die Tests noch knapp. Ärzte schickten Leute mit leichten Symptomen ohne sie zu testen nach Hause mit der Empfehlung, sich daheim auszukurieren. Im Herbst gab es viel mehr Tests. Wären damit doppelt so viele Infektionen erkannt worden wie im Frühjahr, hätte sich bei sonst gleichen Bedingungen die Sterberate auf 2,08 % halbieren müssen. Dass die Altenheime im Herbst besser als im Frühjahr gegen die Einschleppung des Virus geschützt waren, hätte sogar eine weitere Verringerung der Sterberate bringen müssen. Stattdessen war sie 3,47 %. Das zeigt, dass der Einfluss der Testhäufigkeit geringer ist als vielfach angenommen.

Die zweite Welle ebbte bis Mitte Februar etwas ab. Dann hob die von neuen Virusvarianten begünstigte dritte Welle an, die mit der Bundesnotbremse bekämpft ihr Maximum nach der Osterdelle erreichte. Während die Infektionen im 7-Tage-Mittel von 7089 am 16. Februar 2021 auf 20571 am 15. April 2021 fast auf das Dreifache anstiegen, sanken die Todesfälle von 431 auf 223, was kaum noch mehr als die Hälfte war. Das ist eindeutig die segensreiche Auswirkung der Impfungen der Alten und der Risikopersonen.

Das zweite Diagramm zeigt schön, dass die Inzidenzen in Bund, Land Baden-Württemberg, Stadt- und Landkreis Karlsruhe derzeit ziemlich einheitlich fallen.

Hoffen wir, dass uns dieses Jahr ein Ausbruch wie bei Tönnies erspart bleibt, aus dem Urlaub nicht so viele Corona-Infektionen und keine neuen Varianten mitgebracht werden und bis Oktober so viele Leute geimpft sind, dass Corona keinen Herbstaufschwung mehr erlebt.